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Creatives

Warum dein Lead-Preis nach ein paar Wochen wieder steigt

Die Kampagne lief. Drei Wochen lang kam der Lead für 24 €, der Vertrieb war zufrieden, alle waren zufrieden. Dann kriecht der Preis hoch. 28 €. 33 €. Nach sechs Wochen bist du bei 41 € und niemand hat irgendetwas geändert.

Der erste Reflex ist fast immer derselbe: Budget runter, Zielgruppe tauschen, Gebotsstrategie umstellen. Manchmal hilft das kurz. Meistens macht es die Sache schlimmer, weil du eine Kampagne, die eigentlich funktioniert, zurück in die Lernphase schickst.

Die häufigste Ursache ist banal und hat mit deiner Einstellung im Anzeigenmanager nichts zu tun. Deine Anzeige ist ausgelutscht. Dieselben Menschen haben sie zu oft gesehen.

Was beim Ermüden tatsächlich passiert

Eine Anzeige verliert nicht plötzlich ihre Wirkung. Sie verliert sie in einer festen Reihenfolge, und die kannst du im Konto mitlesen.

Zuerst steigt die Frequenz. Deine Zielgruppe ist endlich, dein Budget nicht. Also bekommt derselbe Mensch dieselbe Anzeige ein zweites, drittes, fünftes Mal.

Dann fällt die Klickrate. Wer beim ersten Mal nicht geklickt hat, klickt beim vierten Mal erst recht nicht. Das ist kein Zielgruppenproblem, das ist Gewöhnung.

Dann steigt der CPM. Und hier wird es unangenehm, denn das ist der Punkt, an dem es teuer wird. Die Auktion bewertet, wie gut deine Anzeige bei den Menschen ankommt, denen sie ausgeliefert wird. Sinkt diese Bewertung, zahlst du für dieselbe Platzierung mehr als vorher. Du bekommst also gleichzeitig weniger Klicks und teurere Impressionen.

Erst danach sieht man es dort, wo alle hinschauen: beim Preis pro Lead. Deshalb kommt die Reaktion fast immer zu spät. Wenn der Lead-Preis sichtbar steigt, läuft der Verfall schon zwei bis drei Wochen.

DER ENTSCHEIDENDE PUNKT

Ermüdung ist kein Fehler in der Kampagne. Sie ist der Normalzustand jeder Anzeige, die lange genug läuft. Die Frage ist nicht, ob deine Creatives kippen, sondern ob Nachschub da ist, bevor sie kippen.

Woran du es erkennst, bevor der Lead-Preis reagiert

Du brauchst dafür kein Tool. Drei Kennzahlen im Anzeigenmanager reichen, und du solltest sie nicht monatlich anschauen, sondern wöchentlich.

  • Frequenz im Zeitverlauf. Nicht der absolute Wert ist interessant, sondern die Steigung. Eine Frequenz, die innerhalb von zwei Wochen deutlich klettert, ist ein Vorlaufindikator. Bei kleinen, eng geschnittenen Zielgruppen passiert das schneller als bei breiten.
  • Klickrate im Zeitverlauf, pro Anzeige. Nicht auf Kampagnenebene, dort mischen sich frische und alte Anzeigen und die Kurve sieht harmloser aus als sie ist. Fällt die Klickrate einer einzelnen Anzeige über mehrere Tage stetig, ist sie durch.
  • CPM im Zeitverlauf. Steigt der CPM, während die Klickrate fällt, hast du die Bestätigung. Das ist die Kombination, die den Lead-Preis anschließend nach oben zieht.

Ein wichtiger Nebensatz zum Saison-Effekt: Im vierten Quartal steigen die Auktionspreise branchenweit, weil der Handel Budgets in den Markt kippt. Wenn dein CPM im November steigt, aber deine Klickrate stabil bleibt, ist das keine Ermüdung. Das ist der Kalender. Beide Kurven zusammen zu lesen, spart dir eine Menge falscher Schlüsse.

Der teure Fehler: reagieren statt nachlegen

Der übliche Ablauf sieht so aus. Der Lead-Preis steigt, es wird eine Runde gedreht, jemand sagt „wir brauchen neue Creatives“, zwei Wochen später kommen drei neue Anzeigen. In diesen zwei Wochen hat die Kampagne durchgehend zu teuer eingekauft.

Rechne das einmal für dich durch. Bei 6.000 € Monatsbudget und einem Lead-Preis, der von 24 auf 38 € gewandert ist, verlierst du in zwei Wochen rund hundert Anfragen gegenüber dem Zustand davor. Nicht wegen eines Fehlers im Konto. Nur weil der Nachschub zu spät kam.

Der zweite teure Fehler ist die Reaktion darauf. Weil neue Creatives Aufwand sind, wird stattdessen an Stellschrauben gedreht: Budget runter, Zielgruppe erweitern, Gebotsstrategie wechseln. Jede größere Änderung setzt die Lernphase zurück. Du kombinierst dann eine müde Anzeige mit einer Kampagne, die neu lernen muss. Das ist die schlechteste aller Kombinationen.

Was ein neues Creative eigentlich ist

Hier scheitern die meisten Rhythmus-Versuche. Es wird produziert, aber es wird dasselbe produziert. Anderer Hintergrund, andere Schriftfarbe, neuer Schnitt, gleiche Aussage. Diese Variante ermüdet exakt so schnell wie die vorige, weil der Mensch am anderen Ende dieselbe Botschaft schon kennt.

Was tatsächlich frisch wirkt, ist ein anderer Einstieg in dasselbe Angebot. Ein anderer Einwand, der zuerst angesprochen wird. Ein anderes Format, also Kundenstimme statt Erklärvideo, Bildschirmaufnahme statt Studioaufnahme, ein Mensch, der spricht, statt Text auf einer Fläche.

Deshalb ist die Menge nicht egal. Welcher Winkel bei deiner Zielgruppe zieht, weiß vorher niemand seriös. Man kann es vermuten, und man liegt regelmäßig daneben. Was zählt, ist die Zahl der ernsthaften Versuche, nicht die Zahl der Meinungen im Kickoff.

Warum der feste Rhythmus mehr bringt als die einzelne gute Idee

Bei einem Kundenkonto, das wir seit Jahren betreuen, einem Kampfsportverein in Graz, liegt der Lead-Preis seit rund eineinhalb Jahren zwischen 15 und 20 €. Ohne Anstieg über diesen gesamten Zeitraum.

Das ist nicht das Ergebnis einer besonders genialen Anzeige. Es ist das Ergebnis davon, dass jede Woche etwas Neues nachkommt, bevor das Alte kippt. Der Kanal bekommt nie die Gelegenheit, in die Abwärtsspirale aus steigender Frequenz und fallender Klickrate zu rutschen.

Das ist der ganze Trick, und er ist unspektakulär. Ein wöchentlicher Rhythmus schlägt einen monatlichen Kraftakt, weil Ermüdung kontinuierlich passiert und nicht in Schüben.

Wann es nicht an den Creatives liegt

Eine Einschränkung, die ehrlich dazugehört. Nicht jeder steigende Lead-Preis ist Ermüdung. Wenn deine Anzeigen frisch sind, die Klickrate stabil ist und der Preis trotzdem klettert, schau woanders hin.

Der häufigste andere Grund ist das Optimierungsziel selbst. Wenn dein Konto auf „Formular abgeschickt“ optimiert, sucht die Auslieferung Menschen, die günstig Formulare abschicken. Sie wird dabei mit der Zeit besser, und genau das ist das Problem: Sie findet immer zuverlässiger die Sorte Kontakt, die zwar absendet, aber nie kauft. Der ausgewiesene Lead-Preis kann dabei sogar sinken, während dein Preis pro Auftrag steigt.

Wer in diesem Fall neue Creatives baut, verbessert die Ausführung eines Auftrags, der von Anfang an der falsche war. Deshalb lohnt es sich, vor der nächsten Produktionsrunde einmal zu prüfen, worauf dein Konto überhaupt optimiert und ob die Messung bis zum Abschluss reicht oder beim Formular endet.

Was du diese Woche tun kannst

  • Öffne den Anzeigenmanager und lass dir Frequenz, Klickrate und CPM pro Anzeige im Zeitverlauf ausgeben, nicht als Gesamtwert.
  • Markiere jede Anzeige, deren Klickrate über die letzten sieben Tage stetig fällt. Die sind auf dem Weg raus, unabhängig davon, was sie insgesamt geliefert haben.
  • Schau nach, wann zuletzt eine Anzeige mit einem wirklich anderen Einstieg live gegangen ist. Nicht eine Variante, sondern ein anderer Winkel. Liegt das über vier Wochen zurück, ist das dein eigentliches Thema.
  • Prüfe, auf welches Ereignis deine Kampagnen optimieren. Steht dort das Absenden eines Formulars, ist die Creative-Frage die zweite Frage, nicht die erste.
Nächster Schritt

Wir schauen uns dein Konto an, bevor irgendwer über Budget redet.

Wir prüfen, worauf dein Werbekonto tatsächlich optimiert, ob die Messung bis zum Abschluss reicht und wo Conversions doppelt gezählt werden. Du bekommst den Befund schriftlich, auch wenn wir danach nicht zusammenarbeiten.

Antwort in der Regel am selben Werktag.